BRIESESTRASSE
Berlin, Deutschland | 2.230m2 | 2020
Bestehend aus mehreren Einzelteilen vermittelt dieser Bau an der Schnittstelle zwischen der heterogenen Blockrandbebauung mit ihren typischen Brandwänden und den großen, mäandrierenden spätmodernen Strukturen aus den 1960er- und 1970er-Jahren. Der Neubau verdichtet das Areal und vereint die zwei unterschiedlichen Maßstäbe und Typologien – die Scheibe und den Hof –, die seine Umgebung prägen. Die vorgeschlagene Geometrie schmiegt sich an die Brandwände der angrenzenden Bestandsbauten an und schafft mit ihrem zentralen Innenhof einen Freiraum von hoher Aufenthaltsqualität. Indem ein Flügel des Neubaus die unmittelbar benachbarten Gebäude überragt, wird ein eigenständiges Zeichen im Quartier gesetzt. Die für das Erdgeschoss vorgesehenen Nutzungen – wie ein Café mit Außenplätzen an der Kienitzer Straße und flexibel nutzbare Ateliers entlang der Briesestraße – beleben den städtischen Raum. Jeder der vier Gebäudeteile reagiert mit einer einfachen Grundstruktur und Typologie auf seine spezifische Position innerhalb des Ensembles. Die entstandenen Wohnungen reichen von 1 bis 4 Zimmern; zudem gibt es Studio-Apartments und größere Wohnungen mit zusätzlichen Gemeinschaftsflächen. Innerhalb des flexiblen „Regals“ (Shelf) ließe sich der Wohnungsmix mit geringem Aufwand anpassen. Der großzügig bemessene Innenhof wird zum sozialen Mittelpunkt der Wohnanlage. Die zum Hof ausgerichteten Laubengänge dienen als Erschließungs- und Balkonstruktur mit dem Potenzial, von der Bewohnerschaft angeeignet zu werden. Zwei Durchgänge im Erdgeschoss führen in den gemeinschaftlichen Hof, der durch seine teils bepflanzte, teils befestigte Terrassierung einen urbanen Eindruck vermittelt. Das Erscheinungsbild dieses maßgeschneiderten Stadtbausteins im heterogenen Gefüge des Rollbergviertels resultiert aus der Verwendung industrieller Materialien, die durch ihre Detaillierung, Fügung und besondere Ausstrahlung eine hohe Qualität vermitteln. Fassaden mit französischen Fenstern und einer Bekleidung aus großformatigen Aluminiumpaneelen erheben sich über einem robusten Sichtbetonsockel. Diese Materialisierung bietet einen unprätentiösen Hintergrund für die Aneignung des Gebäudes durch seine Bewohnerinnen und Bewohner.
ARCHITEKTUR: EM2N | BAUHERR: STADT UND LAND Wohnbauten-Gesellschaft mbH | FOTOS: © Hanns Joosten