BREMEN ÜBERSEEINSEL
Bremen, Deutschland | 42 ha | 2019
Zwischen Weser und Europahafen entsteht seit dem Abzug von Kellogg auf einer Fläche von rund 42 Hektar die Überseeinsel – ein wasserorientierter Stadtteil, der Fluss und Hafenbecken, Wohnen und Arbeiten sowie Geschichte und Zukunft verbindet. Grundlage des Projekts ist die Wertschätzung des reichhaltigen Vorgefundenen und dessen emotionaler Bedeutung für die Stadtgesellschaft: Im Sinne des „as found“ (Alison und Peter Smithson) geht es weniger um das Neubauen eines Quartiers als vielmehr um das Weiterbauen eines industriellen Erbes unter veränderten Vorzeichen – veränderten Lebensmodellen, Sehnsüchten, Mobilitätsverhalten und gewachsener Klimaverantwortung. Strukturell ist die Überseeinsel durch die lineare „Kontur“ des Europahafens mit seinen monumentalen Schuppengebäuden sowie durch das vielfältige, von großen Industrieeinheiten rhythmisierte Weserufer geprägt; ein Gleisstrang mit charakteristischem Bogen liegt als infrastrukturelles Rückgrat zwischen beiden Flanken. Die städtebauliche Struktur greift diese Spuren für Erschließung und Quartiersbildung auf und verbindet beide Ufer durch grüne Fugen, die die vorgefundene Wildnis „fortschreiben“. Der bauliche Bestand wird so weit wie möglich erhalten und umgenutzt: Kellogg-Silo, Reishalle und Produktionsgebäude werden zu charakterprägenden Ankern für neue öffentlichkeitswirksame Nutzungen, Produktion und Wohnen. Typologisch entwickeln die Quartiere ihre Prägnanz aus dem Maßstab Bremens – neue Kleinteiligkeit, Durchmischung und hybride Gebäude sind Referenz an die Stadt ebenso wie die Neuinterpretation des „Bremer Hauses“, beispielsweise als gestapeltes Reihenhaus. Der Rahmenplan wurde von einem breiten Beteiligungsprozess von Öffentlichkeit, ansässigen Betrieben und Politik begleitet: Schrittweise wird der Bestand in Wert gesetzt, Zwischennutzungen verstetigt und das Miteinander von Gewerbe und neuen Wohnformen konzeptionell vorbereitet.
Rahmenplanung und Quartiersplanung – Gesamtfläche: ca. 42 ha
Auszeichnung: polis AWARD 2024 – Urbans Flächenrecycling (1. Preis)
ARCHITEKTUR: SMAQ Architektur und Stadt GmbH | BAUHERR: Freie Hansestadt Bremen, Überseeinsel GmbH